Zeugnisse – Ein stetiges Ärgernis

Das Problem

Auch wenn – mehr oder weniger streitig – geklärt ist, dass ein Arbeitsverhältnis endet, verlagert sich der Konflikt leider allzu oft auf die Ebene der Zeugniserteilung. In dieser Spätphase gibt es im Regelfall “nichts mehr zu verlieren”, was zur Folge haben kann, dass um einzelne Wörter oder sogar Satzzeichen unerbittlich gekämpft wird. Im konkreten Fall ging es um die Frage, wie ausführlich bei einem langjährigen Mitarbeiter (mit einer über 30-jährigen Betriebszugehörigkeit!) die Tätigkeitsbeschreibungen sein müssen und wie die Form ihrer Darstellung auszusehen hat.

Die Entscheidung

Die 12. Kammer des Arbeitsgerichts Köln hat die Meinung vertreten, dass eine lediglich stichwortartige Aufzählung ausreichend ist, und dass diese Aufzählung in einer eingerückten Liste mit Hervorhebungszeichen dargestellt sein darf. Ein Arbeitnehmer hat grundsätzlich keinen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber in seinem Zeugnistext bestimmte Formulierungen wählt. Dies gilt dann auch für die Form der Darstellung. Es liegt im Rahmen seines Beurteilungsspielraums, welche Stilmittel der Arbeitgeber bei der Zeugniserteilung anlegt. Da objektive Auslegungsmaßstäbe maßgebend sind, kommt es auf die subjektive Vorstellung der Arbeitnehmerseite nicht an. Auch nach einer langjährigen Betriebszugehörigkeit kann daher eine stichwortartige Aufzählung der dem Arbeitnehmer übertragenen Aufgaben ausreichend sein. Der Forderung der Arbeitnehmerseite nach einer vollständigen chronologischen Aufzählung unter Verwendung bestimmter optischer Gliederungsvorgaben wurde somit eine Absage erteilt.

Fazit

Der Arbeitgeber hat bei der Frage sowohl der Zeugnisinhalte als auch der Zeugnisgestaltung größere Beurteilungsspielräume als oftmals gedacht. Er muss daher nicht jeder Änderungsforderung der Arbeitnehmerseite nachkommen und kann es auf einen – wenn auch für alle Beteiligten ungeliebten – Prozess ankommen lassen. Für die Beratung der Arbeitnehmerseite bedeutet dies, dass Fingerspitzengefühl sowie Diplomatie gefragt sind, Änderungswünsche maßvoll einzufordern. Denn hat sich ein Arbeitgeber erst einmal – rechtlich vertretbar! – für eine “harte Linie” entschieden, dann sind im Ergebnis bestenfalls noch marginale Änderungen durchsetzbar.

Der Inhalt dieses Artikels ist zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung aktuell und korrekt. Da sich die Umstände schnell ändern können, nehmen Sie im Zweifelsfall bitte Kontakt mit den zuständigen Beratern auf.

Ihre Ansprechpartner

Manfred Meyer
Fachanwalt für Arbeitsrecht

geboren 1960, Rechtsanwalt seit 1990
Sprachen: Englisch

Telefon: (0221) 272 50 – 216
Telefax: (0221) 272 50 – 333
meyer(at)wirtz-kraneis.com

Tätigkeitsbereich
  • Arbeitsrecht (nebst Rechtsanwaltsregressverfahren mit arbeitsrechtlichem Einschlag)
  • Recht der Handelsvertreter und Vertragshändler
  • Medien- und Urheberrecht
Veröffentlichungen
  • “Das Status-Feststellungsverfahren für den GmbH-Geschäftsführer”, in “Der GmbH-Steuer-Berater”2012, 154 ff.
  • “Manager-Haftpflicht: Gut genug versichert?”, in “Der GmbH-Steuer-Berater” 2012, 340 ff.
Sonstige Aktivitäten
  • Mitglied in der Deutsch-Amerikanischen Juristen-Vereinigung e.V.
  • Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltsverein e.V.
  • Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Geistiges Eigentum & Medien im Deutschen Anwaltverein e.V.
Manfred Meyer
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Anette Vorpahl
Fachanwältin für Familienrecht | Fachanwältin für Arbeitsrecht

geboren 1971, Rechtsanwältin seit 1999
Sprachen: Englisch

Telefon: (0221) 272 50 – 205
Telefax: (0221) 272 50 – 222
vorpahl(at)wirtz-kraneis.com

Tätigkeitsbereich
  • Familienrecht (einschließlich Abwehr von Regressansprüchen gegen Rechtsanwälte mit familienrechtlichem Bezug), insbesondere Beratung bei Trennung und kluger Vermögensauseinandersetzung
  • Vertretung im Scheidungsverfahren und allen damit verbundenen Verfahren
  • Elternunterhalt
  • Arbeitsrecht (einschließlich Abwehr von Regressansprüchen gegen Rechtsanwälte mit arbeitsrechtlichem Bezug)
  • Vertretung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im gerichtlichen und außergerichtlichen Bereich
  • Vertragsrecht
Sonstige Aktivitäten
  • Mitglied im Deutschen Anwaltverein
  • Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein
  • Mitglied im Kölner Anwaltverein
  • Langjährige TV-Auftritte zu familienrechtlichen Themen im Rechtsmagazin „Justitia“ bei TV Mittelrhein und Westerwald-TV
Anette Vorpahl
Fachanwältin für Familienrecht | Fachanwältin für Arbeitsrecht
Menü